Sächsische Zeitung
Freitag, 27. September 2002
Bramschtunnel soll Ende November fertig sein
Der Innenausbau ist in vollem Gange / Zusätzlicher Notstollen gebaut
Von Bettina Klemm

Die Jahreszahl 2003 ist an den Portalen des Bramschtunnels im Beton eingearbeitet. Das muss die Stadt jetzt ändern: Der Tunnel soll bereits Ende November für den Verkehr freigegeben werden.

Der Bramschtunnel, zwischen Löbtau und Gorbitz gelegen, blieb glücklicherweise vom Jahrhunderthochwasser verschont. Allerdings gab es dennoch eine Zwangspause, denn das Baumaterial konnte nicht angeliefert werden. „Kommt nichts mehr dazwischen, wollen wir nun am 30. November die beiden Tunnelröhren für den Verkehr freigeben“, sagt Reinhard Koettnitz, Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes. Das ist etwa neun Monate eher als ursprünglich geplant. Im November ist der Probebetrieb vorgesehen.

Koettnitz wäre froh, wenn alle Bauprojekte der Stadt so ruhig abliefen. Ein einziger Stadtratsbeschluss habe vor Baubeginn ausgereicht, ganz anders als beim Wiener Platz und bei der Waldschlößchenbrücke. Die Technologie der Baufirma Max Bögl sei aufgegangen. Glücklicherweise waren auch die Gesteinsschichten im Erdreich nicht so hart, wie ursprünglich angenommen. Damit konnten sich die Tunnelfräsen schneller durch das Erdreich graben. „Auch mit dem geplanten Geld kamen wir zurecht“, sagt Koettnitz. Der Tunnelbau kostet rund 45 Millionen Euro, weitere drei Millionen sind für die technische Ausrüstung erforderlich. Nur einmal gab es richtig Ärger: Ende Juni hatten Jugendliche ihr Unwesen auf der Tunnelbaustelle getrieben und dabei Pumpen zerstört. Sie hinterließen einen Schaden von 150 000 Euro.

Bis zur Einweihung gibt es im Inneren des Tunnels noch viel zu tun. Sven Petzold von der Firma Massenberg malert mit weißer Farbe den unteren Teil der Wände. Wenige Meter weiter setzen Ruben Demmler und Manfred Kauler einen Deckel für den Abwasserkanal ein. Die künftigen Fahrbahnen in den beiden Tunnelröhren sind schon gut zu erkennen. In Kürze erhalten sie eine vier Zentimeter dicke Schicht aus hellem Asphalt. Handwerker bringen Natriumlampen und große Lüfter an der Tunneldecke an. Wie Pflaster wirken rechteckige Flecken an den Tunnelwänden, hier wurden Stellen nachgebessert oder verstärkt. In die Röhren darf kein Grundwasser dringen. An den beiden Tunneleingängen befinden sich hinter Gittern aus Edelstahl Dämm-Matten. Sie sollen den Schall schlucken.

Etwa in der Mitte des Tunnels gibt es einen Verbindungsgang zwischen beiden Röhren. Vor dem Hintergrund der Tunnelunfälle in Österreich und der Schweiz hat die Stadt nachträglich diese Notstollen als Rettungswege geschaffen.

Herzstück des Tunnels ist eine Betriebszentrale im Westportal. Sie beherbergt eine 20 Kilovolt-Schaltanlage. Sie versorgt Lampen, Lüfter, Videoüberwachung und andere technische Ausrüstungen. Der gesamte Tunnelbetrieb wird automatisch überwacht und über ein digitales Leitsystem ferngesteuert. 40 große Schaltschränke nehmen alle Leitungen auf. Sollte einmal der Strom ausfallen, übernehmen 180 Akkus die Versorgung.

Über dem Tunneleingang an der Fröbelstraße werden links und rechts Straßen gebaut, um in die angrenzenden Wohngebiete zu gelangen. In der Mitte gibt es einen breiten Grünstreifen.