Sächsische Zeitung
Dienstag, 9. Juli 2002
Zwölf Brücken für die A 17
Bau-Start zwischen dem südlichen Dresden und Pirna
Von Bettina Klemm

„Frühstück in Prag“ – mit diesem Spruch warben Parteien 1998 für den Bau der Autobahn von Dresden nach Tschechien. Bis es so weit ist, lädt die SZ zum „Frühstück“ an der Autobahn ein. Im Lockwitztal versenkten gestern drei Minister eine Stahlkassette mit allerlei Tagesaktuellem. Damit legten sie den Grundstein für einen weiteren Abschnitt der Autobahn A 17 von Dresden nach Prag.

Zahlreiche Anwohner kamen zur Grundsteinlegung des neuen Bauabschnittes der A 17, Proteststürme blieben aber aus. „Dort neben dem Pfeiler ist mein Haus zu sehen“, sagte Christian Kriegel und zeigte auf den Plan für die 723 Meter lange Lockwitztalbrücke. Nur leider seien seine Mieter vor dem Bau der Autobahn ausgezogen. Nun finde er keine neuen und bleibe auf einem Schuldenberg sitzen. „Die Autobahn wird gebraucht, aber dass sie so dicht an unseren Häusern vorbeiführt, haben wir nicht erwartet“, klagte Nachbar Christian Stein.

Der knapp 13 Kilometer lange Streckenabschnitt führt über mehrere Täler. Deshalb müssen vier große Brücken errichtet werden – über den Nöthnitzgrund (225 m), den Gerbergrund (286 m), das Lockwitztal und übers Müglitztal (345 m). „Allein für diese vier Brücken benötigen wir 50 Millionen Euro“, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo (parteilos). Generalunternehmer Deges GmbH hat mit dem Bau der Brücken bereits begonnen. Sie werden schon für den Baustellenverkehr benötigt.

Zum Autobahnabschnitt gehören weitere acht kleinere Autobahnbrücken, eine 90 Meter lange Landschaftsbrücke im Naturschutzgebiet Meuschaer Höhe bei Dohna und ein 500 Meter langer Trog/Tunnel für den Lärmschutz in Nickern.

Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) bezifferte die Gesamtkosten für den Autobahnabschnitt, einschließlich Grunderwerb und Anschlussstellen, mit rund 148 Millionen Euro. Doch das Geld sei gut angelegt. Die Autobahn habe eine herausragende europäische Bedeutung. Bodewig: „Wir bekommen durch sie eine gute Verbindung zu unseren tschechischen Nachbarn.“ Als D 8 werde dort die Autobahn weitergeführt. „Wir sind mit dem Bau gut vorangekommen“, sagte Jaromir Schling, Verkehrsminister des Nachbarlandes. Ende 2005 sollen Dresden und Prag über die neue Verbindung erreichbar sein. Zuvor möchte Martin Gillo, selbst begeisterter Hobby-Radler, zum Wandern, Skaten und Radfahren entlang der Trasse einladen.

Doch bis es soweit ist, müssen Bund, Land und die Stadt Dresden noch zahlreiche Fragen zum Bau der Zubringer klären. Allein 71 Millionen Euro werden für die Dresdner Zufahrten benötigt. „Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden“, sagte Gillo, der über das Thema kürzlich mit Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) verhandelt hat. Zur Ortsumfahrung in Pirna – sie war im Bundesverkehrswegeplan nicht enthalten – sei er mit Bodewig im Gespräch.