Dienstag, 9. Januar 2001
Nicht einfach in die Baugrube laufen
Gefahren für Gesundheit und Leben durch spießähnliche Bewehrungsstähle beim Grünbrückenbau in Altfranken
Von Volkmar Fischer

"Frühstück in Prag" - mit diesem Spruch warben Parteien '98 für den Bau der Autobahn von Dresden nach Prag. Bis es so weit ist, lädt die SZ zum Frühstück an der Autobahn ein. Heute nach Altfranken, wo vor Gefahren einer Baustelle gewarnt wird.
"Wenn hier Leute ignorieren, dass das Betreten der Baustelle verboten ist, kann das böse Folgen haben", sagt Bau-Überwacher Frank Eckardt von der Dresdner Firma Köhler+Seitz. Im schlimmsten Falle könne es das Leben kosten.
Immer wieder muss Eckardt feststellen, wie anziehend die Baustelle der künftigen Grünbrücke in Altfranken für viele ist. Von einer Fußgängerbrücke im Luckner-Park aus kann man zwar das Geschehen in der Baugrube prima beobachten, doch das scheint einigen nicht zu reichen.
Trotz einschlägiger Verbotsschilder laufen sie hinunter in die Baustelle, um sich dieses oder jenes aus unmittelbarer Nähe anzuschauen. Mancher führt dabei auch seinen Hund aus. Spielende Kinder und jugendliche Motorradfahrer sind in der Baugrube auch schon erwischt worden.
Eckardt erläutert, warum der Aufenthalt in diesem Bereich so gefährlich ist: "Wir gießen zuerst 20 Meter lange Fundamentteile, dann kommen darauf in einem Taktverfahren die Seitenwände und Decken. Dabei ragen eine Zeitlang Bewehrungsstähle offen aus den Betonteilen heraus. Wer da unglücklich fällt oder ausrutscht, kann sich an diesen Stangen verletzen und im schlimmsten Falle sogar aufspießen. Am größten ist die Gefahr nach Schichtschluss im Dunkeln, weil da kein Licht mehr brennt."
Dazu kommt, dass die Baustelle am Wochenende nicht besetzt ist. Wenn da etwas passiert, gibt es niemand, der sofort helfen kann. Die Bauarbeiter rücken erst am Montagmorgen wieder an, und bis dahin kann es für den Verunglückten schon zu spät sein. "Wir müssen daher eindringlich davor warnen, die Baustelle unerlaubt zu betreten", sagt Eckardt.
Doch auch mit Brummi-Fahrern gibt es ab und an Ärger. "Mancher von ihnen ignoriert die auf 2,8 Tonnen begrenzte Belastung der Otto-Harzer-Straße", berichtet der Bau-Überwacher. Doch darunter leidet nicht nur der Straßenbelag. Im Bereich der Autobahn-Baustelle wird der Verkehr einspurig mit Ampeln über eine Behelfsbrücke geleitet. "Die hat natürlich noch einen Sicherheitsbereich, der über der offiziellen Tonnagenbegrenzung liegt, aber unendlich belastbar ist sie auch nicht", erklärt Eckardt. Die Bauarbeiter hätten immer wieder mal einen Brummi zurück geschickt, doch ständig könnten sie auch nicht aufpassen. Offiziell wäre das Ortsamt in Dresden-Cotta für die Einhaltung der Tonnagebegrenzungen verantwortlich.
Nicht uninteressant ist die Vergangenheit der Behelfsbrücke. Sie stammt aus den Beständen der einstigen DDR-Volksarmee. Der Bund übernahm sie nach der Wende und setzt sie nun für zivile Zwecke ein.