Mittwoch, 3. Januar 2001
Eine Grünbrücke, die wie ein Tunnel wirkt
Trasse der A 17 unterquert in Altfranken den Luckner-Park / 35 Beton-Segmente für den Bau der Fahrbahn-Röhren
Von Volkmar Fischer

"Frühstück in Prag" - mit diesem Spruch warben Parteien 1998 für den Bau der Autobahn von Dresden nach Tschechien. Bis es so weit ist, lädt die SZ zum Frühstück an der Autobahn ein - heute nach Altfranken, wo eine Grünbrücke gebaut wird.

Der Luckner-Park in Altfranken birgt eine Überraschung. Wer dort spazieren geht, steht unvermittelt vor einer Holzbrücke, die über einen rund 12 Meter tiefen Abgrund mit senkrechten Wänden führt. Darin steht ein Gerüst, in das Bauarbeiter von Hochtief aus Leipzig Beton pumpen. Auch Kroaten sind auf der Baustelle. Sie sind mit Bewehrungsarbeiten beschäftigt.
Immer wieder bleiben Neugierige stehen, um ihnen zuzuschauen. Es ist ja auch etwas Besonderes, so hautnah den Autobahn-Bau erleben zu können. Über eine zweite, unweit entfernte Brücke rollt einspurig der mit Ampeln geregelte Straßenverkehr auf der Otto-Harzer-Straße. Aus ihren Fahrzeugen können die Kraftfahrer nur kurz in die Baustelle blicken.
"In Altfranken quert die Trasse der A 17 den Luckner-Park", sagt Frank Eckardt, Bau-Berater der Dresdner Firma Köhler+Seitz. "Um ihn weitgehend zu schonen, soll die Autobahn auf einer Länge von 345 Metern darunter durch führen." Doch dafür wird kein Tunnel wie zwischen Roßthal und Plauenschem Grund gebaut. Die Deckschicht wird nicht einmal fünf Meter betragen. Deshalb haben sich die Planer zu einer offenen Bauweise entschlossen und das Bauvorhaben auch "Grünbrücke" genannt. Nach seiner Fertigstellung soll diese bepflanzt und wieder Teil des Luckner-Parks werden. Die Arbeiten dazu hatten Mitte vergangenen Jahres begonnen. Zuerst mussten 150 000 Kubikmeter Erdreich ausgehoben werden; sie wurden anderthalb Kilometer entfernt zwischengelagert und sollen bei nötigem Massenausgleich wieder Verwendung finden.
Die Seiten der Baustelle wurden mit einem 3 700 Quadratmeter großen Verbau aus Doppel-T-Trägern und Kanthölzern vor dem Abrutschen geschützt. Jetzt haben die Bauarbeiter damit begonnen, die vorgesehenen zwei Tunnelröhren zu bauen. "Das geschieht mit einem Taktverfahren", sagt Eckardt. "Gegossen werden Wand- und Deckensegmente von je zehn Metern Länge." Bei der Breite der Grünbrücke sind das insgesamt 35 Blöcke. Verwendet wird dabei ein auf Rollen gelagertes Lehrgerüst. Ist ein Segment fertig, wird es für das nächste Teilstück weiter gezogen. Dabei achten die Bauleute darauf, dass es gut fest gezurrt ist. Immerhin hat die Trasse hier ein Gefälle von viereinhalb Prozent. Da könnte es sein, dass sich ein ungesichertes Gerüst selbständig macht.
Im Juni 2002 sollen die Röhren fertig sein. Dann beginnt der Innenausbau - einschließlich der Fahrbahn. "Bis jetzt liegt Hochtief im Plan", sagt Tino Berger vom Autobahnamt Dresden. "Wenn sie so weiter arbeiten, werden sie den Termin bestimmt schaffen." Hochtief-Bauleiter Klaus Voigt nimmt zustimmend.